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Facebook die letzte


Dass die Zentrale von Facebook ausgerechnet am "Hackerway" angesiedelt ist, wird niemanden so wirklich verwundern. Man muss schmunzeln angesichts der unzähligen Anhörungen, Strafverfahren und Bußgeldzahlungen. Den Konzern, der gerne von sich behauptet, die Menschen einander ein Stück näher gebracht zu haben,  konnten diese Maßnahmen nicht in die Knie zwingen. Zum Leidwesen all derer, denen aufgegangen ist und die nicht in Kauf nehmen wollen, dass es Mark Zuckerberg nicht um die Verbesserung unserer Welt (was an sich schon größenwahnsinnig genug wäre), sondern um seine Werbeeinnahmen geht, für die er offenbar über Leichen geht. Stichwort Yesiden, aber nicht nur die. Es muss nicht gleich die ganz große Nummer des Völkermords sein, es geht auch kleiner. Einzelschicksale von Nutzern, die gestalkt, beleidigt und eingeschüchtert werden, Mitarbeiter, die auspacken, weil es ihnen zu viel wird was im Namen der Vernetzung und Kommunikation so alles läuft oder die einfach nur medial wahrgenommen werden wollen und eine EU, die seit Jahren versucht Verbesserungen herbeizuführen, da ein Komplettverbot schließlich nicht durchsetzbar ist.

Die Bußgeldzahlungen tun Zuckerberg und seinem Team nicht weh. Er rangiert unter den zehn reichsten Menschen der Welt. Kürzlich rutschte er innerhalb dieser Skala etwas ab, und zwar von Platz drei auf sieben, als es IT-Probleme gab und Facebook und Instagram stundenlang nicht aufrufbar waren. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht. Das wäre die Chance gewesen für all jene clean zu werden vom Internetkonsum, der ihren eigenen Personenkult in Frage stellen ließe. Vielleicht war es ja aber tatsächlich so, dass manche ade gesagt haben. Jedoch: Verpasst ! Nun heißt es auf einer Metaebene genauso weiter zu machen wie bisher. Mit der Namensändernung in "Meta" entsteht der Eindruck, man schwebe über den Dingen. Übergeordnet all dem Kleinklein, das Facebook eben auch ausmacht: "Was machst Du heute?" Antwort: "Ach, nichts. Vielleicht gehe ich zum Sport." Wen interessiert das ? Offenbar das Gegenüber. Sonst hätte es nicht gefragt. Und die Algorithmen, die anschließend jegliche Form von Sportwerbung ausspucken: vom Fitnessstudio bis zum Sportschuh, vom Tennisschläger bis zum Schweißband. Und durch Tracking weiß fast jeder wo man sich gerade befindet. Fehlt nur noch ein Flashmob zur Krönung des Tages !

Vermeidung statt Regulierung gilt allerdings viel eher als der richtige Pfad, was man an den Auswüchsen des Greenwashings ganz gut beobachten kann: statt CO2 zu kompensieren muss der Verbrauch eingedämmt werden. Und für Facebook gilt: das Internet ist eines der größten Umweltverschmutzer der Welt - sowohl rein technisch als auch kommunikativ. Ja, so läuft´s. Sowohl das Onlinemarketing als auch die Kommunikation. Traurig möchte man meinen. Würden nicht so viele richtig viel Spaß daran haben diesen Zirkus mitzumachen. Vorschreiben kann man niemanden das doch lieber zu lassen. Für eine Verbesserung der Welt, ganz ohne eifriger Weltverbesserer zu sein, sondern einfach nur um Vernunft walten zu lassen, gilt nämlich nach wie vor, dass das Internet zu kontrollieren und zu reduzieren ein gangbarer Weg sein muss. Geht doch, aber Milliarden Menschen stecken eben noch mittendrin in der Sucht. Dass sich das in absehbarer Zeit nicht ändern wird, ist die Einsicht dieses Herbstes, die die Sucht bei schmuddeligem Wetter ja noch verlockender erscheinen lässt. Bzw. denen, die dieser Jahreszeit nicht viel abgewinnen können. Dabei ist es eines der schönsten Dinge der Welt bei einer Kanne Tee gute Bücher zu lesen, zu häkeln oder einfach nur Musik zu hören oder zu machen. Es muss ja nicht gleich ganz altbacken Plätzchenbacken sein.

Jeder muss selbst wissen wie er seine Zeit nutzt. Das weiß auch Facebook und schon sind allerlei Algorhithmen einzig und allein auf die Freizeitgestaltung hin programmiert. Wir leben in einer Arbeitsgesellschaft, in der die Freizeit einen immer wichtigeren Stellenwert erhält. Zu unser aller Nutzen und Wohlbefinden. Irgendwas Gutes muss schließlich auch das unsozialste Medium der Welt haben, dem viele andere Medien gefolgt sind und das die Gesellschaft eher gespalten als zusammengeführt hat. Viele rechte Umtriebe wurden nach und nach zwar verboten oder abgeschaltet. Da war das Kind aber schon längst in den Brunnen gefallen. Die Propaganda der Rechten ging auf, denn sie haben Zulauf bekommen und Facebook war und ist der Steigbügelhalter mit vielen anderen Netzwerken. Und die gute Nachricht: wir kriegen das in den Griff - so oder so.

Ach, wie schön ist Panama !

 

Devrim Karahasan

(5. November 2021)