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Wichtig richtig

 

Was ist eigentlich wichtiger ? Viel schaffen oder sich sagen können, dass Grenzen ihren Sinn haben ? Grenzen zu überschreiten ist kribbelig, aber auch gefährlich. Nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, aber vor allem auch dort, sondern im eigenen Tun. Wenn der Haushalt gemacht ist und der Kochtopf brummt, kommt das Gefühl auf sich etwas gönnen zu dürfen. Schon so zu denken, hat einen Haken. Die Arbeit, die ohnehin gemacht werden muss, ist Alltag. Genauso der Bürojob oder die Telefonie zur Abklärung allerlei bürokratischer Angelegenheiten, auch wenn sie nicht täglich stattfindet. Einem Bürojob nachzugehen kann so langweilig wie sinnvoll sein, je nachdem wie sehr man darin aufgeht Aktenordner zu sortieren und E-Mails zu beantworten. Politische Artikel zu schreiben ist kreativ und die Themenwahl ist unerschöpflich. Irgendwann wird das zum Selbstläufer und sich dann wissenschaftlichen Aufsätzen zuzuwenden kann viel spannender sein, da die Wissenschaft viele Gedankenwege eröffnet, die man im Journalismus oft unverzeihlich findet.

Ich wurde mal gefragt was ich am liebsten mache. Schreiben war meine Antwort. Vielleicht bietet das eine Herausforderung, die mir als Kind nicht leicht von der Hand ging. Ich erinnere mich noch wie schwer ich mich mit Deutschaufsätzen tat, ganz im Gegensatz zu englischen oder französischen. Fremde Sprachen waren mir näher als die sogenannten Muttersprachen Deutsch und Türkisch. Letzteres habe ich mir erst in einem Zeitungsjob in Istanbul beigebracht, wo mir lauter lustige und nicht ganz so lustige Fehler unterliefen. In Französisch schrieb ich Gedichte und englische Songtexte zu singen war das normalste der Welt, heute noch.

Kinder machen gerne nur das, was ihnen Spaß macht. Als Erwachsener kommen lauter Tätigkeiten hinzu, die auch erledigt sein wollen, zum Beispiel Bankgeschäfte oder Einkäufe. Als Kind an der Wurtstheke - um ein Klischee zu bedienen - eine Wurstscheibe mit einem Smiley drauf gereicht zu bekommen, sollte anregen, ist heute aber zum Glück nicht mehr Usus seit ohnehin klar ist, dass allzu viel Fleischkonsum nicht förderlich ist.

Wenn ich die Wohnung "tepeden tirnaga" (auf Türkisch: von grundauf) putze, gibt mir das ein gutes Gefühl. Nicht weil ich gerne Hausfrau bin oder Putzen an sich so toll finde, sondern weil ich das Ergebnis mag. Bei Artikeln ist das schon wieder etwas anders. Als Autor outet einen jeder Text, den man schreibt. Politische Ansichten, Vorlieben, Einschätzungen machen deutlich wer man ist. Diejenigen, die das lesen, machen sich ganz automatisch ein Bild. Mir fiel es stets schwer, von mir selbst zu sprechen. Ich finde ganz allgemein nichts langweiliger als wenn es zu persönlich wird. Zum Einen weil ich finde Privates sollte privat bleiben und zum Anderen weil Selbstfindung das Gegenüber sehr anstrengt. Keine Frage: es ist ganz essentiell zu sich selbst zu finden und dass ich all das hier aufschreibe, kann potentiell schon wieder nerven. Fazit: Sich öffnen ist gut. Sonst bleibt ein nerviges Missverständnis. Zum Beispiel Protektion an der Universität durch wohlmeinende Professoren sei die Regel. Viel verbreiteter ist, dass der Alltag an der Uni darin besteht, dass dort manche ihren Job machen, ganz viele eher nicht und dass Studenten ihren Weg durch das Labyrinth finden. Nein, das nervt jetzt schon wieder zu sehr ! Bleibt: Grenzen ausloten ist echt total okay, echt jetzt !

 

Devrim Karahasan

(7. November 2021)